Aktuelle Lehrveranstaltungen Sommersemester 2019

Hauptseminar: Elegische Lyrik im 18. und 20. Jahrhundert

Aus guten Gründen vermeidet der Titel des Seminars die Gattungsbezeichnung der Elegie und spricht vorsichtiger von elegischer Lyrik. Dadurch wird es möglich, verschiedene, über einen Zeitraum von etwa 200 Jahren entstandene Gedichte vergleichend zu behandeln, die in einem gattungsgeschichtlich nicht leicht zu bestimmenden Verhältnis zueinander stehen. Dies hat damit zu tun, dass die Elegie bzw. die ihr wesensverwandte Dichtung formal, inhaltlich oder psychologisch definiert werden kann und diese drei Merkmale in unterschiedlicher Gewichtung auftreten. Während (1) die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dominierende Verfasstheit in elegischen Distichen später an Prägekraft verliert, bleiben sowohl (2) Themen der Klage bzw. Trauer oder Liebe als auch (3) dichterische Empfindungsweisen der (rückwärtsgewandten) Sehnsucht sowie Wehmut über den unwiederbringlichen Verlust diverser Formen glückbringender Totalität im 20. Jahrhundert weiterhin präsent. Das Seminar richtet sich an Studierende, die keine Berührungsängste mit versmetrischen Fragestellungen haben, beschränkt sich aber natürlich nicht auf die Erörterung solcher formalen Aspekte. Behandelt werden Elegien von Klopstock, Hölty, Goethe, Schiller, Hölderlin und elegische Gedichte von Rilke, Trakl, Benn und Brecht.

Termin: Mittwoch, 12–14 Uhr, Raum O.10.30, Beginn am 10.04.2019

Hauptseminar: Erzählungen von Adalbert Stifter

Eine wichtige Voraussetzung für den rasanten Aufstieg der Prosa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die voranschreitende Alphabetisierung der Bevölkerung, die ein kontinuierlich wachsendes Lesepublikum hervorbrachte. Dieses vorwiegend weibliche, die neuen Unterhaltungszeitschriften und Almanache bevorzugende Publikum war zwar weltanschaulich und konfessionell eher konservativ eingestellt und weniger an literarischen Experimenten als an gebildeter Unterhaltung interessiert. Dennoch begünstigte es die Etablierung der in ihren Gipfelleistungen durchaus innovativen biedermeierlichen Erzählprosa, als einer deren wichtigsten Vertreter Adalbert Stifter gilt. Insbesondere in den 1840er Jahren ist Stifter ein äußerst erfolgreicher Schriftsteller gewesen, weil er den Nerv seiner Zeit getroffen und mit Texten wie Der Condor (1840/44), Brigitta (1844/47) und Der beschriebene Tännling (1846/50) eine Vielzahl der für die zeitgenössische Gesellschaft wichtigen Themen behandelt hat. Außer den genannten Erzählungen wird im Seminar Der Kuß von Sentze (1866) exemplarisch für Stifters singuläres Spätwerk vorgestellt, mit dem sich der vormals viel gelesene Autor seit Mitte der 1850er Jahre ohne Rücksichtnahme auf die öffentliche Kritik in die künstlerische Isolation hineingeschrieben hat.

Termin: Freitag, 10–12 Uhr, Raum U.15.07, Beginn am 12.04.2019

Proseminar: Barocklyrik (2 Kurse)

Das Seminar hat einführenden Charakter. Nach einer kurzen Rekapitulation einschlägiger Aspekte der Lyrikanalyse werden die poetologischen Grundlagen (Regelpoetik, Rhetorik), sozialen sowie kulturellen Voraussetzungen (Ständegesellschaft, Gelehrtendichtung, Sprachgesellschaften) und geschichtlichen Rahmenbedingungen (Absolutismus, Dreißigjähriger Krieg) der Dichtung des 17. Jahrhunderts thematisiert. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen exemplarische Analysen wichtiger Gedichtformen wie Sonett, Epigramm, Kirchenlied oder Figurengedicht und die Beschäftigung mit zentralen Themenfeldern: Vergänglichkeit und memento mori, Frömmigkeit und Mystik, carpe diem sowie Petrarkismus und galante Lyrik. Einbezogen wird auch die zu den vielfältigsten Anlässen verfasste Gelegenheitsdichtung (Kasuallyrik).

Termin Kurs I: Donnerstag, 14–16 Uhr, Raum U.15.07, Beginn am 11.04.2019
Termin Kurs II: Freitag, 12–14 Uhr, Raum O.08.29, Beginn am 12.04.2019

Proseminar: Dramen des Sturm und Drang

Das Seminar verfolgt eine systematische und eine literaturgeschichtliche Fragestellung. Zunächst werden grundlegende Begriffe der Dramentextanalyse vorgestellt und die idealtypische Gegenüberstellung des geschlossenen und des offenen Dramas erörtert. Anschließend beschäftigen wir uns mit der Entstehung und mit wesentlichen Chrakteristika des Sturm und Drang insbesondere aus dramengeschichtlicher Perspektive und wenden uns sodann Goethes Götz von Berlichingen (1773) und Schillers Die Räuber (1781) zu. Im Mittelpunkt der (vergleichenden) Analysen stehen Aufbau, Figurenkonstellation und Sprache der Schauspiele.

Termin: Donnerstag, 12–14 Uhr, Raum U.11.03, Beginn am 11.04.2019

Kandidatenkolloquium

Vorgestellt und diskutiert werden im Entstehen begriffene schriftliche Abschlussarbeiten und allgemeine methodologische Probleme der Literaturwissenschaft. Sofern es die Zeitverhältnisse zulassen, analysieren wir aktuelle Medieninterventionen zu politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Themen.
Teilnahme nur auf persönliche Einladung möglich.

Termin: Mittwoch, 16–18 Uhr, Raum O.09.11, Beginn am 10.04.2019

Wegweiser