Christina Rank

Die Bedeutung des Essays für die Entwicklung der literarischen Moderne – Thomas Mann, Gottfried Benn und Franz Blei

Lyrik, Prosa und Dramatik – diese Gattungstrias bestimmt bis heute die Literaturwissenschaft. Textgattungen wie der Essay, die sich diesem Begriffsraster entziehen, haben darunter zu leiden. Obwohl er definitorisch kaum zu fassen ist, spielt der Essay insbesondere in der gattungsauflösenden literarischen Moderne eine zentrale und noch immer unterschätzte Bedeutung für die Entwicklung des Romans und anderer Formen modernen Schreibens.

Das Dissertationsprojekt will diese Bedeutung anhand der Essays dreier Autoren aufzeigen: Thomas Mann, Gottfried Benn und Franz Blei. Die essayistischen Arbeiten dieser auf den ersten Blick sehr verschiedenen Autoren zeigen exemplarisch die vielfältigen Möglichkeiten, die der Essay gerade durch seine Offenheit Schriftstellern auf der Suche nach neuen literarischen, für die Moderne insgesamt signifikanten Techniken (z.B. Montage, Intertextualität, rhetorischer Katalog, absolute Prosa) geboten hat. Die Auswirkungen essayistischer Schreib- und Formexperimente werden besonders bei vergleichender Betrachtung der Prosatexte, Romane und Autobiographien von Mann, Benn und Blei (Doktor Faustus, Roman des Phänotyps, Doppelleben, Erzählung eines Lebens) deutlich. So machen die verhandelten Themen und Diskurse (u.a. Kunst, Künstler, Kultur, Porträts, künstlerische Selbstinszenierung) sowie die verwendeten literarische Methoden nicht nur einen Vergleich der essayistischen Texte dieser Autoren möglich, sondern finden sich auch in ihren narrativen Texten wieder. Das Essayistische dringt gewissermaßen in die fiktionalen Arbeiten ein, wenn auch mit einem deutlich anderen Stellenwert als in pragmatische Texte mit referenzialisierbaren Wahrheitsansprüchen. Essayistisches Schreiben lässt sich somit als textsorten- oder gattungsübergreifende Schreibweise der Moderne definieren.

Abschließend soll die Wirkung der untersuchten Werke auf eine spätere Schriftstellergeneration aufgezeigt und somit auch auf die Bedeutung des Essays für die Entwicklung der Postmoderne (Rainald Goetz, Rolf Dieter Brinkmann, Umberto Eco und Wolfgang Hildesheimer) hingewiesen werden.

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